Holunder (Sambucus nigra)

Holunderblüten gelten in der Volksheilkunde Europas seit Jahrhunderten als Heilmittel bei Erkältungen und Fieber. Früher zog man aus Ehrfurcht vor dieser mythologisch und medizinisch hochverehrten Heilpflanze vielerorts beim Vorbeigehen sogar den Hut.

Verwendete Pflanzenteile: Blüten, Früchte
Sammelzeitpunkt: Die Blüten werden von Mai bis Juli, die vollreifen Früchte werden von August bis Oktober gesammelt
Wirkstoffe: (Blüten) Flavonoide, Hydroxyzimtsäurederivate, ätherisches Öl, Gerbstoffe; (Früchte) Flavonoide, Anthocyanglykoside, Bitterstoffe, Vitamine (A, B1, B2, C)
Wirkeigenschaften: (Blüten) Fiebersenkend, schleimlösend, etwas immunstimulierend, (Früchte) leicht abführend (frisch), antioxidativ

Holunderblüten und -früchte

Holunderblüten und -früchte

Wissenschaftlich belegte Anwendungen:

  • Tee aus den Blüten als schweißtreibendes Mittel bei banalen Erkältungskrankheiten

Weitere Anwendungen aus der Volksmedizin:

  • Gelee und der gekochte Saft aus den Beeren innerlich bei Erkältungskrankheiten
  • Frische Blätter äußerlich als Auflage bei Wunden, Hautentzündungen, Muskel- und Gelenksbeschwerden
  • Frische Blätter äußerlich als Auflage auf die Schläfen bei Kopfschmerzen
  • Rinde und Wurzel früher als Abführmittel (gilt heutzutage als obsolet, weil es mittlerweile verträglichere Alternativen gibt)

Tagesdosierung: Die mittlere Tagesdosierung für Erwachsene liegt bei 10 – 15 g der getrockneten Blüten aufgeteilt auf 3-4 Teetassen pro Tag. Beim Saft aus den gekochten Früchten werden mehrmals täglich 100ml (verdünnt mit etwas Wasser und warm getrunken) empfohlen.

Anwendung bei Kindern*:
Als Tagesdosierung für Kinder ab 1 Jahr gelten (getrocknete Blüten als Tee):

1-4 Jahre 4-10 Jahre 10-16 Jahre
 2-5 g  5-10 g 10-15 g

Risiken und Nebenwirkung: Rohe Früchte, aber auch der Tee aus der Wurzel, den Blättern und der Rinde können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen. Von der innerlichen Anwendung von Rinde, Wurzel und Blättern muss deshalb abgeraten werden.

Schwangerschaft und Stillzeit:
Es gibt keine Hinweise auf negative Auswirkungen von Holunderblüten in Schwangerschaft und Stillzeit.

Anmerkungen zur Zubereitung:
Holunderblütentee sollte bei Erkältungskrankheiten am besten heiß getrunken werden, um die gewünschte Schweißproduktion (Schwitzkur) bei Fieber zusätzlich anzuregen.
Aus den frischen Holunderblüten lässt sich auch ganz einfach ein leckerer Holunderblütensirup zubereiten.

Kurioses:
In der alpinen Heilkunde heißt es vielerorts bis heute, man möge vor einem Holunderstrauch den Hut ziehen. Diese Erfurcht kommt zum einen von der mythologischen Verbindung des Holunderstrauches zur germanischen Erdgöttin Hel (auch Frau Holle). Hiervon trägt der Holunder auch seinen deutschen Namen. Andererseits wurde der Holunder volksmedizinisch sehr breitgefächert eingesetzt. Von der Wurzel bis zu den Blüten wurde früher jeder Pflanzenteil in unterschiedlicher Weise genutzt. Daher schrieb bereits der bayrische Volkskundler Max Höfler über den Holunder, dass dieser Strauch für den deutschen Bauern eine lebendige Hausapotheke sei.holunder

* Quellen:
Haffner et al. (2011): Normdosen gebräuchlicher Arzneistoffe und Drogen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. Stuttgart.
Bäumler, S. (2007): Heilpflanzenpraxis heute. Urban&Fischer Verlag. München.

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