Die Hexensalbe

Die Hexensalbe ist seit Jahrhunderten ein großes Mysterium in der Volksmedizin. Was steckt wirklich hinter dieser magischen Salbe?
Zahlreiche Legenden und Sagen handeln von den geheimnisvollen Salben, welche von den vermeintlichen Hexen und Zauberern zubereitet wurden und zu übernatürlichen Fähigkeiten verhelfen sollten. Man rätselte in teilweise sehr abenteuerlicher Manier über die möglichen Inhaltsstoffe dieser Zubereitungen. Von Menschenblut, Kinderfett, Fledermäusen usw. ist die Rede. Ein besonders informatives Buch – „Liebestrank und Zaubersalbe“ – wurde 2002 von Enrico Malizia veröffentlicht, in welchem er Rezepturen aus alten Büchern sammelte. Oft enthalten Rezepturen dieser Hexensalben auch giftige Pflanzen aus der Familie der Solanaceen, also Nachtschattengewächse, wie z.B. Bilsenkraut, Tollkirsche und Stechapfel. Diese wirken schmerzstillend, führen zu rauschartigen Zuständen, wirken in höherer Dosierung aber rasch tödlich.


Holzschnitt Hexen (aus Ulrich Molitor 1508: Tractatus von den bösen weiben die man nennet die hexen)

Mithilfe von Hexensalben soll es den vermeintlichen Hexen möglich gewesen sein zu fliegen. Aus diesem Grund nannte man diese früher auch Flugsalben. Es gibt bis heute etliche Sagen wie folgende aus Südtirol die dies beschreiben:

Sage: Die Haselhexe
„Ein Bauersknecht in Seis am Schlern beobachtete heimlich die Magd, welche im Rufe der Hexerei stand, als sie gerade in der Küche die Ofengabel mit einer Salbe einrieb und auf derselben mit dem bekannten Spruch:
„Überall auf
Und nirgends an!“
durch den Kamin hinaufritt. Da sie den Salbentiegel stehen gelassen hatte, benützte der Knecht die gute Gelegenheit, schmierte damit am Küchenbesen herum, setzte sich dann rittlings darauf und fuhr mit dem Spruch:
„Überall auf
Und überall an!“
ebenfalls durch den Kamin. Den Spruch hatte er nämlich falsch gehört. Arg zugerichtet, gelangte er auf das Dach; er war mit seinem Schädel überall angeprallt…“
Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 435 f.


Hexenflug (Aus Thomas Erastus, Dialogues touchante le pouvoir des sorcières et de la punition quèlles méritent, Genf 1579)

Aber was war wirklich in diesen Salben?

Mittelalterliche Quellen beschreiben die Farbe der gefundenen und vermeintlichen Hexensalben als grün. Grün sind bis heute die volkstümlichen Birken- und Pappelknospensalben, die als schmerzstillende Salben (u.a. als Hämorrhoidensalben) verwendet werden. So liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei den Hexensalben im Ursprung um schmerzstillende Salben, die in vielen Haushalten vorrätig gewesen sein durften, gehandelt haben könnte. Durch Zusatz von Bilsenkraut, Stechapfel und Tollkirsche konnte der schmerzstillende Effekt verstärkt werden. Missbräuchlich verwendet war es aber ein gefährliches Rauschmittel. Der Rauschzustand von Nachtschattenpflanzen wird oft als tiefer Schlaf beschrieben. Häufig kommt es zu Flugträumen und erotischen Phantasien. Nach dem Aufwachen gibt es Berichte über ein sehr niedergeschlagenes Gemüt und einen sehr erschöpften Zustand, man hat praktisch das Gefühl den Traum real erfahren zu haben. Dass Personen unter Folter nun die geträumten Inhalte als tatsächliche Begebenheiten eingestanden, wie dies zahlreiche Prozessakten aus der Zeit der Hexenverfolgung belegen, erscheint ebenfalls nachvollziehbar.

Achtung: Bilsenkraut, Stechapfel und Tollkirsche sind stark giftig und sollten daher nicht verwendet werden.

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