Löwenzahn

Löwenzahn ist sowohl als Heilpflanze, als auch als Wildgemüse eine äußerst spannende Pflanze. Seit vielen Jahrhunderten gehört sie aus guten Gründen zum Arzneischatz Europas.

Spätestens im Mai sind die gelben Löwenzahnwurzeln vielerorts unübersehbar. Da Löwenzahn – als eine der wenigen Pflanzen – mit der Jauchedüngung der modernen Landwirtschaft gut zu recht kommt, kam es in den letzten Jahrzehnten auf den betroffenen Wiesen zu einer explosionsartigen Vermehrung dieser Pflanze. Von vielen wird Löwenzahn deshalb als ein unübersehbares Symptom einer fehlgeleiteten Landwirtschaft gesehen. Der Löwenzahn aus diesen überdüngten Wiesen ist außer als Futterpflanze tatsächlich unbrauchbar – er würde zu viel Nitrat enthalten und letztendlich innerlich genossen eher gesundheitliche Risiken verursachen als einen Nutzen bringen. Doch Löwenzahn aus noch ökologisch intakten Lebensräumen (man bekommt diesen auch auf Kräuterhöfen und in Apotheken) ist eine wertvolle Heilpflanze und ein vielseitig einsetzbares Wildgemüse.

Verwendete Art: Wiesen–Löwenzahn (Taraxacum officinale)
Verwendete Pflanzenteile:
Kraut und Wurzel
Sammelzeitpunkt: April und Mai (vor der Blüte gesammelt)
Wirkstoffe: Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone), Flavonoide, Schleimstoffe, Cumarin, Inulin, Kalium, Magnesium, Vitamin C
Wirkeigenschaften: Wassertreibend, mild galletreibend, appetitanregend und verdauungsfördernd
Wirkmechanismus: Für die anregende Wirkung auf die Verdauungstätigkeit sind die in der Wurzel und dem Kraut enthaltenen Bitterstoffe – die sogenannten Sesquiterpene – verantwortlich. Über den bitteren Geschmack kommt es reflektorisch zu einer verstärkten Freisetzung von diversen Verdauungssäften, einschließlich der Gallenflüssigkeit. Deshalb ist die Anwendung bei verringerter Gallenflüssigkeit und daraus resultierenden Verdauungsstörungen sinnvoll. Durch die Bitterstoffe und der vermehrten Produktion von Verdauungssäften wirkt sich Löwenzahn auch bei Appetitlosigkeit und bei Blähungen positiv auf die Beschwerden aus. Neuere Forschungsergebnisse schreiben Löwenzahn sogar eine leberschützende Wirkung zu. Eine weitere Besonderheit des Löwenzahns ist ein ausgeprägter wassertreibender Effekt, der sogar über dem anderer harntreibender Heilpflanzen liegt.

Wissenschaftlich belegte Anwendungen:

  • Kraut und Wurzel als Tee zur Anregung der Wasserausscheidung bei Nierensteinen und Harnwegsinfektionen
  • Kraut und Wurzel als Tee oder Frischpflanzenpresssaft zur Anregung der Verdauungs- und Gallentätigkeit, sowie bei Appetitlosigkeit

Weitere Anwendungen aus der Volksmedizin:

  • Löwenzahnblüten als Schichtsirup bei Husten
  • Kraut und Wurzel als Tee, Salat, gekocht oder als Frischpflanzenpresssaft zur Entschlackung und Entgiftung
  • Kraut und Wurzel als Tee bei rheumatischen Erkrankungen und Hautleiden (Juckreiz)

Tagesdosierung: Für die Zubereitung eines Tees verwendet man in etwa 4 g des getrockneten Krautes oder 1,5 g der Wurzel pro Tasse Tee. Man übergießt Kraut und Wurzel mit kaltem 150 ml Wasser, lässt dies eine Stunde stehen, kocht anschließend alles kurz auf und filtriert dies nach 10 Minuten ab. Erwachsene können 3- bis 4- mal täglich eine Tasse trinken.

Anwendung bei Kindern*:
Es gibt keine Hinweise auf schädigende Wirkungen bei Kindern, allerdings fehlt auch der Hinweis auf einen besonderen Nutzen bei Kindern. Für Kinder ist Löwenzahn aber zum Basteln interessant. Aus den hohlen Stengel kann man wunderbar Ketten und Rohrsysteme basteln. Außerdem eignet sich die „Pusteblume“ als Orakelblume (siehe Kurioses).

Risiken und Nebenwirkung: Löwenzahn ist sehr gut verträglich. Einzig bei Sodbrennen und Magenschleimhautentzündung (Gastritis) können die enthaltenen Bitterstoffe die Beschwerden verstärken. Bei Verschluss oder Entzündungen der Gallenblase darf Löwenzahn nicht verwendet werden. Bei Gallensteinen ist eine vorhergehende ärztliche Abklärung nötig, da sich das Krankheitsbild mit Löwenzahn auch verschlimmern kann. Löwenzahn darf nur auf ungedüngten Wiesen gesammelt werden, da besonders die Wurzeln sonst sehr viel des gesundheitsschädlichen Nitrats enthalten können. Der Milchsaft von frisch gesammeltem Löwenzahn kann – bei diesbezüglich empfindlichen Menschen – eine Kontaktdermatitis verursachen.

Schwangerschaft und Stillzeit: Derzeit liegen keine Hinweise auf eine schädigende Wirkung bei der Einnahme während Schwangerschaft und Stillzeit vor.Löwenzahn auf Wiese Galle Niere Entschlackung

Anmerkungen zur Zubereitung: Löwenzahn lässt sich auch hervorragend als Wildgemüse gebrauchen. Die Wurzel wird hierfür gekocht, die Blätter blanchiert, zu einer Suppe eingekocht oder frisch in den Salat geschnitten. Man sollte vor allem junge Blätter verwenden, diese schmecken weniger bitter. Übrigens: die getrocknete Wurzel kann zermahlen auch als Kaffeeersatz benutzt werden.

Kurioses: Kaum eine andere Pflanze besitzt derart viele volkstümliche Pflanzennamen wie der Löwenzahn. Dies kommt zum einen von seiner weiten Verbreitung in ganz Europa und der Tatsache, dass Löwenzahn in der Landwirtschaft, Medizin und Küche schon sehr lange eine bedeutende Rolle spielt. Einige wenige Beispiele von insgesamt ca. 500! verschiedenen Bezeichnungen sind: Pusteblume, Kuhblume, Saubleaml (Österreich-Bayern), Schmalzbluema (Schweiz), Bettpisser (Hessen), Eierbusch (fränkisch), Milchling (Schwäbische Alp) oder Röhrlkraut (Südtirol).

Löwenzahn war früher auch eine beliebte Orakelblume. Beispielsweise schloss man in der Menge der Flugsamen, die nach dem Pusten auf dem Blütenboden verblieben auf die Anzahl der Jahre, die man auf die große Liebe warten musste.Löwenzahn auf Wiese

Mehr zur volksmedizinischen Anwendung von Löwenzahn im Alpenraum findet ihr in „Wickel, Salben und Tinkturen – Das Kräuterwissen der Bauerndoktoren in den Alpen“ (erhältlich in jeder Buchhandlung)

* Quellen:
Haffner et al. (2011): Normdosen gebräuchlicher Arzneistoffe und Drogen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. Stuttgart.
Bäumler, S. (2007): Heilpflanzenpraxis heute. Urban&Fischer Verlag. München.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.