Magenbitter selbstgemacht

Ein altes Sprichwort heißt: „Bitter durch den Mund und du bleibst gesund“. Das nehmen wir zum Anlass euch ein Rezept für einen Magenbitter vorzustellen.

Ein Magenbitter gehört als schnelle Hilfe gegen einen vollen Magen oder leichte Bauchkrämpfen in jede Hausapotheke. Die Herstellung ist kinderleicht und die fertige alkoholische Lösung ist mindestens 2 Jahre haltbar.

Zutaten:
3 g Tausendgüldenkraut
2 g Wermutkraut
3 g Bitterorangenschalen
3 g Enzianwurzel (Gelber Enzian)
1 g Ceylonzimt
100 g 70% Alkohol

Zubereitung:
Die getrockneten und grob zerkleinerten Pflanzenteile werden in einem mindestens 300 ml fassenden Gefäß mit dem Alkohol übergossen und gut verschlossen 3 Wochen an einen lichtgeschützten Ort gestellt. In dieser Zeit wird der Ansatz immer wieder kräftig umgeschüttelt. Anschließend filtriert man den gewonnenen Auszug in eine saubere Flasche mit Tropfaufsatz ab.

Tagesdosierung und Anwendungsmöglichkeiten:
Bei Völlegefühl, Blähungen oder Reizmagen können 20 Tropfen verdünnt in einem halben Glas Wasser bis zu 3-mal täglich eingenommen werden. Auch der Appetit lässt sich effektiv steigern, wenn der Magenbitter – wiederum verdünnt in etwas Wasser – eine halbe Stunde vor dem Essen eingenommen wird.

Was machen Bitterstoffe mit uns?
Enzian, Wermut, Tausendgüldenkraut und Bitterorangenschalen enthalten Bitterstoffe. Bitterstoffe regen über den bitteren Geschmack an Zunge und Gaumen reflektorisch die Produktion von Speichel- und anderen Verdauungssäften an. Dadurch werden Nahrungsmittel viel besser verwertet, Völlegefühl durch eine verbesserte Verdauung beseitigt, Blähungen gelindert und der Appetit gesteigert.
Dass unsere Verdauungsorgane auf Bitterstoffe reagieren hat historische Gründe: Bitterstoffe kamen früher nämlich viel verbreiteter in unseren Nahrungsmitteln vor (aus den allermeisten Gemüsesorten wurden diese in den letzten Jahrhunderten herausgezüchtet). Durch den bitteren Geschmack wurde unsere Verdauung auf die nahenden Nahrungsmittel eingestimmt.
Aus diesem Grund haben wir auch 25 verschiedene Geschmacksrezeptoren an Zunge und Gaumen, wodurch wir eine Vielzahl an diversen bitteren Geschmäckern identifizieren können – im Gegensatz zu süß und sauer, hier haben wir je nur einen Typ an Geschmacksrezeptoren. Früher war diese Fähigkeit zur Unterscheidung auch deshalb wichtig, weil Bitterstoffe häufig in Giftpflanzen vorkommen.

Vorsicht bei Magengeschwüren und Sodbrennen!
Die Risiken des Magenbitters liegen im anregenden Effekt auf die Magensäure. Bestehende Magenschleimhautentzündungen und Sodbrennen können sich dadurch verschlimmern, weshalb man bei bestehenden Problemen auf diesen verzichten sollte. Auch Kinder, Schwangere, Stillende und alkoholkranke Personen dürfen den Magenbitter wegen des enthaltenen Alkohols nicht einnehmen.

Naturschutz beachten!
Enzian und Tausengüldenkraut stehen unter Naturschutz! Deshalb ist jegliche Sammeltätigkeit verboten. Aber man muss trotzdem nicht auf diese verzichten, denn Enzianwurzeln und Tausengüldenkraut bekommt ihr – wie übrigens auch die anderen Zutaten – in jeder Apotheke oder auf diversen Kräuterhöfen zu kaufen. Die dort erhältlichen Pflanzen stammen aus angebauten Kulturen und belasten nicht die alpinen Bestände.

Viel Spaß beim Ansetzen eures Magenbitters!

Neben Tipps und Tricks zur Herstellung eines Magenbitters findet ihr viele weitere Rezepte im Band 1 der Kraut und Wurzel Reihe: „Verdauung und Entschlackung“
(erhältlich in jeder Buchhandlung, Ladenpreis 10 Euro, ISBN: 978-88-7283-629-3)

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